Duisburg/World Wide Web Den Duisburger Bloggern von xtranews.de drohen bis zu 250.000 € Strafe, wenn sie gegen eine einstweilige Verfügung der Stadt Duisburg verstoßen.
Was ist geschehen?
Die Stadt Duisburg hatte bei Anwälten in Düsseldorf ein Gutachten über das Loveparade-Unglück in Auftrag gegeben. Diesem waren im Anhang auch einige Unterlagen wie Sitzungsprotokolle, Briefe etc. angefügt wurden – von der Stadt wurde aber nur das Guthaben veröffentlicht. Mehrere Vertreter der Presse, darunter auch xtranews.de, erhielten daraufhin dieses Zusatzmaterial. Während die anderen Medien zunächst nur Ausschnitte präsentierten, ging xtranews.de aufs Ganze – mit stufenweiser Veröffentlichungen aller Dokumente! Nun folgte das, was leider bei Privatblogs immer öfter zu beobachten ist:
Die kritisierte Person, in diesem Fall OB Sauerland resp. Stadt Duisburg, schaltet einen Anwalt ein, der eine einstweilige Verfügung erlässt – mit einer für Privatpersonen astronomischen Höhe der Strafe von 250.000€ – die Betreiber von xtranews.de haben nicht einmal genug Geld für einen Anwalt und bitten um Spenden!
Wie der WDR berichtet, haben bereits viele andere Blogs die Dokumente übernommen. Sauerlands Sprecher Sosic wird zitiert mit den Worten: “Die unkontrollierte Verbreitung ist ohnehin nicht mehr zu verhindern”. Aufrecht erhalten wird dieser Versuch eines Maulkorbes aber trotzdem mit der Begründung, es stünden die Kontaktdaten einiger Duisburger Politiker dort, gegen die bereits Morddrohungen ausgesprochen wurden. Zudem beschränke dies die Persönlichkeits- und Urheberrechte der beteiligten Personen.
Angesichts der Tatsache, dass das Internet nie vergisst und andere Blogger – außer den Duisburger Lokaljournalisten, deren Blog durchaus professionell ist – nicht belangt werden eine geradezu unverschämte Begründung. Jetzt dürfen also alle die Daten der Herren Sauerland, Sosic und Co. veröffentlichen – nur xtranews.de (als einer der wichtigsten unabhängigen Blogs Duisburg) nicht mehr? Und warum bitte darf xtranews.de keine einzige Seite mehr veröffentlichen, wenn doch nur die Kontaktdaten geheim bleiben sollen?
Liegt es etwa – nicht auszudenken – doch daran, dass dieses Material hochbrisant ist und aufgrund seiner Informationen zur Loveparade gewissen Politikern schaden könnte?
Was solls, möchte man meinen. Immerhin gibt es mit wikileaks eine Plattform, die genau für solche Zwecke geschaffen wurde. Und wenn Herr Sauerland dann immer noch Angst hat, dass Menschen über wikileaks herausfinden, was auch unter www.dasoertliche.de zu finden ist, dann gibt es da eine ganz einfach Methode, dem Spuk ein Ende zu machen:
Nämlich zurücktreten!
Piratenpartei Duisburg
Pressefreiheit in Duisburg R.I.P.
August 18th, 2010Die causa Sauerland
July 30th, 2010“Sauerland raus!” Wer gestern am Burgplatz war und die Demonstration verfolgt hat, der hat diesen Satz wohl am häufigsten gehört. Nicht nur die Duisburger, nein halb Deutschland fordert nun einen neuen Mann an der Spitze der Stadt an Rhein und Ruhr. Ja, viele Wähler sind enttäuscht. Selbst die Sauerlandwähler von der CSU aus Bayern.
Wie, die sind gar nicht wahlberechtigt?
Sollten sie aber sein, denn warum sonst sollten sich Bürger völlig anderer Kommunen dazu äußern, wen knapp 500.000 Menschen als städtisches Oberhaupt haben sollen? Nicht nur NRW wurde schon von Duisburg durch die Stellungnahme Krafts vereinnahmt, selbst die Bundes-CDU wird dank Herrn Bosbach nun zu einer Filiale der CDU Duisburg, von Herrn Uhl und der CSU gar nicht erst zu sprechen.
Als ob es nicht weitaus wichtigere Fragen der Bundespolitik gäbe, als eine Personalentscheidung in einer (zugegebener Maßen großen) Kommune Deutschlands.
Dies soll keine Rechtfertigung für das scheinbare Unvermögen Sauerlands sein, mit einer solchen Krise angemessen umzugehen und die eigene Verantwortung einzugestehen. So etwas ist und bleibt eines Volksvertreters unwürdig. Aber ebenso unwürdig ist es, ihn nun als teilweise einzigen Sündenbock darzustellen und die Duisburger Bürger in ihrer eigenen (Wahl-)Entscheidung zu entmündigen, nur, um seine Wut zu kanalisieren. Die Verantwortung hat er nun einmal, und in dem Moment, wo er diese übernimmt, wäre er als OB nicht länger tragbar – und da er nicht einmal dies tut, ist auch dieses Verhalten mehr als fragwürdig. Verantwortung bedeutet aber nicht Schuld! Die Schuld wird von der Justiz festgestellt, und da scheinen aktuell (auch durch die Aussagen von Landesinnenministerium und Landespolizei) viele Indizien auf den Veranstalter zu zeigen.
Auch seine Berater dürften mehr mit der Schuldfrage zu tun haben, als der, dessen Name letzten Endes unter allem steht, der aber an der Umsetzung nicht direkt beteiligt war.
Die Forderung nach dem Rücktritt Sauerlands ist also nicht bloß die reine Suche nach einem Schuldigen – da eignen sich andere besser. Aber es ist die Suche nach demjenigen, der hätte aufpassen müssen. Dem man vertraut hat, dass er seine Berater und den Veranstalter unter Kontrolle hat (und nicht umgekehrt). Dem man vertraut hat, dass er Sicherheitsbedenken der Polizei und Feuerwehr nicht einfach nur zur Kenntnis nimmt, sondern diese Bedenken auch in sein Konzept mit einfließen lässt.
Es ist aber auch die Suche nach einem Mann, dem man misstraut. Und die Zeiten, als man Politikern noch vertraut hat, die sind längst vorbei. Dem Mann, der die Menschen nach der Katastrophe scheinbar im Stich gelassen hat, um seine eigene Haut zu retten.
Es bleibt das Gefühl: Die Wähler bereuen scheinbar, vor einem Jahr Sauerland zum OB gewählt zu haben. Nun kann man eine Wahl nicht zurücknehmen. Doch man kann neu wählen lassen. Auf einen freiwilligen Rücktritt Sauerlands kann man im Übrigen lange warten – denn laut “Neuer Presse” würde er damit auf seine Pensionsansprüche aus seinen Tätigkeiten als OB sowie Oberstudienrat verzichten. Und so verwerflich man dieses Motiv nun finden mag – es ist nur menschlich. Immerhin war er fast 6 Jahre OB, dazu noch einige Jahre Oberstudienrat, da geht es um einen großen Teil der Altersversorgung.
Da im Fall des Rücktritts von OB Sauerland aber eh Neuwahlen angesetzt werden müssten, könnte dieser doch einfach selbst Neuwahlen fordern. Einen dementsprechenden Antrag gibt es bereits im Stadtrat. Damit wäre dann allen gedient und Sauerland müsste nicht mehr antreten.
Wenn man dann im Rahmen dieser Wahl auch die zuständigen Dezendenten austauschen würde, dann könnte die Stadt politisch wieder nach vorne schauen – denn auf die Stadt Duisburg warten noch weitere Aufgaben wie Haushaltsfragen und Strukturwandel. Diese können aber nur angegangen werden, wenn im Rathaus ein Mann sitzt, der die Unterstützung des Volkes hat, und dessen Berater mit Verantwortung umgehen können – so wie es auch der Oberbürgermeister selbst tun sollte.
Schock bei der Loveparade
July 25th, 2010Bei der Loveparade sind aufgrund einer Massenpanik 19 Menschen getötet und über 340 teils schwer verletzt wurden . 19 friedliche Raver, die zusammen mit 1,4 Mio. Menschen feiern wollten und dabei zu Tode getrampelt wurden. Die Piraten in Duisburg sprechen allen Opfern und Angehörigen ihr Beileid aus und bitten alle Medien und Politiker, zumindest einen Tag der Trauer verstreichen zu lassen, bevor man mit Schuldzuweisungen und politischem Klein-Klein beginnt. Dafür wird es noch die Zeit geben, doch heute ist es erst einmal an der Zeit, die Geschehnisse zu verarbeiten: Diese Katastrophe ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für alle Duisburger und Ruhrgebietler, die dieses Großereignis im “Pott” stattfinden lassen wollten, im Zeitalter von Public Viewing und einem immer stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl der jüngeren Menschen ist es auch ein Schlag ins Gesicht einer ganzen Generation! Stefan Sechting von den Pottpiraten dazu: “Eigentlich wollte ich nur etwas feiern. Es ist unglaublich, dass dabei keine 200m neben mir Menschen gestorben sind, die einfach nur mitfeiern wollten. Ich bin schockiert!”
Skandal bei der Auszählung der StuPa-Wahl oder: “Where is my vote?”
July 17th, 2010Bei der diesjährigen StuPa-Wahl an der Universität Duisburg-Essen ist es zu mehreren Skandalen gekommen: 15% der abgegebenen Stimmen wurden für ungültig erklärt, es wurde vermutlich Landesrecht gebrochen, und einigen Studenten wurden keine Möglichkeiten geboten, zu wählen! Auffällig bei den ungültigen Stimmen ist dabei, dass es die Urnen der Gebäude R11 (Bib-Essen) und R12 sind, in denen eher die Geisteswissenschaftler zu Hause sind. Insgesamt sind 650 Stimmen betroffen, davon 550 aus den letzten drei ausgezählten Urnen, in denen sich die Wahl entschieden hat. Ein Schelm, wer böses dabei denkt!
Der offizielle Grund dafür lautet seitens der Wahlkommission, dass einige Wahlzettel keine UV-Sicherheits-Stempel enthielten, ein Fehler, der aber auf die Kommission selbst zurückzuführen ist. Kann es denn angehen, dass dem Wähler hier Wahlzettel gegeben werden, von denen er denkt, dass sie richtig sind, und diese dann nicht gewertet werden? Scheinbar ja, aber Demokratie sieht eindeutig anders aus!
Auch beklagen die Piraten das Fehlen einer Wahlurne für den Bereich Schützenbahn in Essen, wo hauptsächlich die Informatiker sitzen. Es kann nicht angehen, dass einige Studenten hier keine Infrastruktur finden, ja nicht einmal einen Hinweis, wo die nächste Urne ist, um ihr Recht der demokratischen Mitbestimmung wahrzunehmen!.
Doch es gab noch mehr Ungereimtheiten: Am Freitag wurden etwa 600 von 4000 Stimmen abgegeben, was bei der generellen Uni-Aktivität am letzten Tag der Woche und der Tatsache, dass viele schon vorher gewählt haben, Fragen aufwirft, genauso wie es Fragen aufwirft, dass die (zusammengebrochene) Koalition aus RCDS, LHG, LAL und LUSt wieder genau einen Sitz mehr hat als die Opposition – im Senat ist jedoch gerade einmal der RCDS mit einem Platz vertreten (Opposition: 3). Als seien Donnerstag und Freitag noch die nötigen RCDS-Stimmen eingetroffen. Wiederum ein Schelm, wer hier Böses denkt!
Das vorläufige Endergebnis ist aber nicht nur deshalb ohne Gewähr, denn die Wahlkommission hat es geschafft, sich mehrere Male zu verzählen, um dann letztendlich nur die Listen auszuzählen, nicht aber die dazugehörenden Parlamentarier. Dies bricht vermutlich sogar Landesrecht, in dem es heißt, dass Urnen nach Beginn der Auszählungen nicht mehr verschlossen werden dürfen!
Einige Noch-Parlamentarier von AL/FSL, LILI/SDS, GHG und JUSO forderten noch bei der Auszählung Neuwahlen und kündigten an, gegebenenfalls das neu gewählte Studierendenparlament zu boykottieren und ein öffentliches “Gegen-StuPa” ins Leben zurufen, da sie kein Mandat annehmen wollen, das durch ein undemokratisches Verfahren erlangt worden sei.
Doch zunächst das offizielle Endergebnis der Listen:
Ergebnis StuPa-Wahl:
alte Koalition:
RCDS: 10 Sitze (stärkste Liste)
LHG: 2 Sitze
LAL: 4 Sitze
LUSt: 3 Sitze
Summe: 19 Sitze
Opposition:
JuSo HSG: 8 Sitze
GHG: 4 Sitze
LiLi-SDS: 3 Sitze
LSD: 3 Sitze
Piraten: 0 Sitze (da ganz knapp an der 4%-Hürde gescheitert, auch dank der Ergebnisse aus R11 und R12. Ein Schelm…)
Summe: 18 Sitze
Ergebnis Senat:
JuSo-HSG: 2 Senatoren
RCDS: 1 Senator
Grüne/AL-FSL (mit personeller Unterstützung der Piraten): 1 Senator
Doch wer weiß, vielleicht muss Anfang des nächsten Semesters wieder neu gewählt werden – zu vieles erscheint hier nicht demokratisch zustande gekommen zu sein!
Bundespräsident nach Elfmeterschießen
June 30th, 2010Wäre die Bundespräsidentschaftswahl ein WM-Spiel, dann würde der Kommentar wohl so aussehen:
Herzlich willkommen in der Reichstags-Arena, wo gerade das Finale um die Bundespräsidentschaft zu Ende ging. Christian Wulff (CDU) ist nun Weltmeister im “Dauergewähltwerden”! Trotz einer guten Ausgangslage (mehr als 20 Stimmen mehr im eigenen Lager als notwendig) wurde es noch eine Nervenschlacht für CDU/CSU/FDP. Immerhin war diese Wahl mit über 9 Stunden die längste Tagung einer Bundesversammlung in der Geschichte der BRD.
Ganze 44 Stimmen aus den eigenen Reihen wurden dem nun ehemaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens im 1. Wahlgang verweigert und fanden sich teilweise bei den Enthaltungen, teilweise auch bei den Gegenkandidaten Joachim Gauck (parteilos) und Luc Jochimsen (die LINKE) wieder. Und auch der zweite Wahlgang lief nicht wesentlich besser. Und nun begann das Elfmeterschießen:
Die CSU tritt an und verwandelt zielsicher die Frage, wer denn “falsch abgestimmt” habe – wie geht das eigentlich bei einer demokratischen Wahl fragt sich da der naive Pirat – denn, das müsse man ja die FDP fragen. Diese muss ausgleichen und schafft das auch mit Rösler und Lindner, die erklären, sie würden die 4 (von 44) Abgeordneten kennen, die – bei einer geheimen Wahl – gegen Wulff gestimmt hätten, das müsse also die Union selbst schuld sein. Und der Capitano Westerwelle geht noch weiter und nach dem 2. Wahlgang behauptet, man habe einstimmig Christian Wulff gewählt. Wollte er nun damit zugeben, dass er die 4 bekannten “Falschwähler” vom Platz foulen wollte? Schiri Lammert hat jedenfalls nichts dergleichen gesehen, was den Einsatz eines Videobeweises rechtfertigt. Kampfgeist zeigten dabei alle drei Teams (CDU, CSU, FDP), völlig ignorierend, dass sie ja eigentlich ein Team sein sollten.
Das gegnerische Team bestand freilich aus SPD und Grünen. Und die nutzten anfangs auch die Unsicherheiten der Schwarz-Gelben nach Belieben aus und waren nahe dran am “Wunder von Berlin”, denn Gauck hätte zusammen mit den Stimmen der Linken in der 1. Halbzeit alles klar machen können. Aber die Linksaußen hatten heute nicht ihren besten Tag. Und so war dem Linken Stürmer Gysi die Tatsache, dass die Kommunikation auf dem Platz nicht stimme, wichtiger, als die einmalige Chance, links außen in die Strategie der Opposition zu integrieren und das schwarz-gelbe Team zu besiegen und vielleicht sogar ganz rauszuschmeißen. Nein, man begnügte sich vor dem Elfmeterschießen damit, Luc Jochimsen auszutauschen, und die Wahl freizugeben – mit der Empfehlung, sich zu enthalten. Mit anderen Worten: Tore schießen war erlaubt, aber bitte im sitzen!
So kann man keine Elfmeter verwandeln. Und deshalb ist Christian Wulff nun, nach einer Netto-Zeit von 9,5h, Bundespräsident nach Elfmeterschießen.
Herzlichen Glückwunsch also an Wulff, der am Ende die Nerven behielt und erklärte, die Verlängerung um seinen Ministerpräsidenten-Titel habe noch länger gedauert.
Herzlichen Glückwunsch auch an den Spielmacher der gegnerischen Mannschaft, Joachim Gauck, der als krasser Außenseiter den Demokratie-Sport wieder für die breite Masse attraktiv machte.
Herzlichen Glückwunsch aber auch an das Trainer-Trio der schwarz-gelben um Merkel, Westerwelle und Seehofer, dem nun ähnliche interne Probleme drohen wie der französischen Fußball-Nationalmannschaft.
Und einen herzlichen Glückwunsch an Linksaußen, die ein weiteres Mal ihre Drittklassigkeit und Unprofessionalität gezeigt haben, indem sie die einzigartige Chance ungenutzt ließen, sich von ihrem alten DDR-Team loszueisen und den Erzrivalen in schwarz-gelb in eine Krise zu stürzen.
Uns Fans wurde jedenfalls ein sehr interessantes Spektakel geboten, doch nun heißt es: nach der Wahl ist vor der Wahl, und diese Koalition hat noch 90 Minuten!
StuPa-Wahl mit falscher Piratenliste
June 24th, 2010Bei der StuPa-Wahl vom 12. bis 19. Juli 2010 herrscht Verwechslungsgefahr:
Neben der Liste der Hochschulgruppe Piraten wird es eine “falsche” Freibeuterliste geben – angeführt von einem ehemaligen Kandidaten des Ring Christlich Demokratischer Studierender (RCDS), die, außer mit dem Namen, nichts mit dem gemein hat, was man politisch mit den Piraten verbindet. Der RCDS bestreitet jegliche Kenntnis dieser Aktion ebenso, wie eine koordinierte Aktion mit der Universität Paderborn, an der Ähnliches geschehen ist. Nach Meinung des Vorstandes der HSG Piraten Duisburg-Essen handelt es sich bei der “Freibeuterliste” um einen bewussten Akt der Irreführung des Wählers! Demokratie bedeutet, zu wissen, wen man wählt, und nicht, “Etikettenschwindel” zu betreiben, indem man vorgibt, ein anderer zu sein. Mittlerweile hat sich die “Freibeuterliste” umbenannt, zuvor sollte sie nämlich “Piratenliste” heißen (25.6.2010, Anm.d.Red.). Dadurch ist nicht länger die Notwendigkeit gegeben, eine gemeinsame Liste mit der AL-FSL aufstellen zu müssen.
Die “richtige” Liste – mit Mitgliedern der Piratenpartei Deutschland und der HSG Piraten – wird nun unter dem Namen HSG Piraten zur Wahl antreten.
Klarmachen zum Ändern!
Piraten planen Demo gegen Sparpaket
June 10th, 2010Die Piratenpartei macht mobil gegen das Sparpaket von CDU, CSU und FDP. Am 19. Juni, 14 Uhr findet deshalb eine Demostration in Düsseldorf statt. Alle Piraten und geistig Verbündeten im Kampf gegen dieses Raubritter-Gesetz sind zur Teilnahme aufgefordert, denn nur zusammen sind wir stark. Dies gilt für Parteien ebenso wie für Gewerkschaften, Vereine, Kirchen etc.
Start ist am DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Straße 34-38 und Ende mit Abschlusskundgebung am Burgplatz. Den genauen Weg gibt es hier.
Wer sich dafür einsetzt, dass jeder Bürger ein Recht auf Mitbestimmung hat, wer Gleichheit vor dem Gesetz fordert, und wer sich auf die Verfassung dieses Landes beruft, der kann nicht guten Gewissens dieses unverschämte und dreiste Unterfangen auch nur tolerieren, die Existenz der Ärmsten dieses Landes zu bedrohen! Denn hier geht es nicht nur um den “Assi-Hartzi” – es geht um die Kinder von 10% unserer Bevölkerung! Wir müssen auf die Straße! Als größte außerparlamentarische Oppositionspartei ist das auch unsere Pflicht! Die Frage ist nicht: Soll ich dagegen demonstrieren? – die Frage ist: Wogegen sonst?
Jeder, der dies liest, und ebenso Bauchschmerzen mit dem Gesetz hat wie die Piraten in Nordrhein-Westfalen möge sich bitte hier eintragen – oder einfach am 19. Juni um 14 Uhr am DGB-Haus sein!
Die FDP ist tot, lang lebe der Liberalismus!
June 9th, 2010Was ist eine liberale Partei – und wer?
Einer der Grundgedanken liberalen Gedankengutes ist die Ansicht, dass jeder seines Glückes Schmied ist, und jeder zu jeder Zeit die Chance hat, seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Dass das nie 100%ig funktionieren kann ist klar, aber Ziel einer liberalen Partei muss es sein, dies so gut wie möglich hinzubekommen.
Ein liberale Partei sollte sich deshalb gegen Klassen-Diktaturen aussprechen, die die Armen arm und die Reichen reich machen – denn wie ist dann gesellschaftlicher Aufstieg noch möglich? Ebenso sollten Schranken im Zugang zu den wichtigsten Ressourcen für sozialen Aufstieg, wie z.B. Bildung, Gesundheit, finanzielle Grundversorgung für Arbeitssuchende möglichst abgebaut werden, da jeder “vom Tellerwäscher zum Millionär” durchstarten können soll, wenn er nur die Fähigkeit dazu besitzt. Die Reichen, also die, die es geschafft haben, sind dabei in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass dieses System nicht zerstört wird, indem man aus Niedriglöhnern Lohnsklaven macht.
Diese Definition erfüllt die FDP derzeit in keinster Weise!
Dank Studiengebühren leisten es sich einige – FDP-regierte – Bundesländer auch heute noch, auf viele intelligente Studierende zu verzichten, nur, um nicht noch mehr in Bildung zu investieren. Wer gesetzlich Krankenversichert ist, der kann von Glück reden, wenn er überhaupt noch behandelt wird – gegen 10€ Eintrittsgeld versteht sich, und vielleicht, wenn sich die FDP duchsetzt, auch noch gegen eine Kopfpauschale. Dann können sich schon die Ärmsten der Armen ihr Überleben nicht mehr leisten, nämlich Arbeitslose mit Kindern. Genau denen will die FDP jetzt auch noch den Boden unter den Füßen nehmen. Könnte man ja noch sagen, die Hartz-IVler hätten es “selbst vermurkst”, dass sie nun am “unteren Ende der Nahrungskette” sind, muss man selbst aus neo-liberaler Sicht feststellen: Die Kinder können nichts dafür! Ihr einziger Fehler war es, geboren worden zu sein! Und denen wird nun die Existenzgrundlage in einem Maße gekürzt, dass elterliche Einsparungen in der Bildung dieser Kinder (Zoobesuche, Museumsbesuche – und ja, es gibt Hartz-IV-Kinder, die so etwas täten, hätten sie Geld) schon längst Luxus-Debatten sind. Sind das die Aufstiegschancen des Liberalismus? Ist unser dreigliedriges Schulsystem wirklich noch in der Lage, einem intelligenten Hauptschüler – und Statistiken zeigen, dass gerade in dem Bereich viel Potenzial liegt – das Abitur in 13 Jahren zu ermöglichen? Oder einen stärker begabten Sohn eines Hartz-IVlers überhaupt erst einmal aufs Gymnasium zu schicken? Auch hier sehen wir wieder eine Errungenschaft der Christ-Liberalen!
Ach ja, und dann gab es da noch die Bürgerrechte, auch dies ist ein Standbein der Liberalen. Die Gewaltenteilung und die Kontrolle der Gesetzgebung sowie der Exekutive sind Errungenschaften der Vordenker des Liberalismus. So jemand hält sich an den Kodex, dass ein Bundespräsident überparteilich ist und nicht nach Parteilinie abgestimmt wird. So jemand blockiert keine Diskussionen über Internetsperren und Vorratsdatenspeicherung.
Nein, die FDP ist keine liberale Partei mehr! Und Bündnis90/Die Grünen scheinen auch an dieser Frage zu zerbrechen. Ist Bündnis 90 so etwas wie die Piratenpartei der 90er Jahre gewesen, haben “die Grünen” ihren liberalen Part (ödp) jedoch verstoßen. Die Grünen setzen sich viel zu häufig gegen das alte Bündnis 90 durch – Ökologie kommt vor Bürgerrechten! Und dass man auch hier keine klaren Standpunkte zu Bürgerrechten entwickelt hat, zeigt sich immer wieder, unter anderem beim Zensursula-Gesetz 2009. Ja, gegen Studiengebühren sind sie, aber ihre Form der einheitlichen Schule gibt nicht jedem die gleiche Chance, sondern bremst diejenigen mit besonderen Begabungen. Das ist links, aber nicht liberal!
Fehlt es in Deutschland an einer liberalen Partei?
Nein, denn eine Bürgerrechtspartei ist eine liberale Partei! Eine Partei, die Studiengebühren abschaffen will ist eine liberale Partei! Eine Partei, die gegen den Überwachungsstaat kämpft ist eine liberale Partei!
Wie, diese Partei kennen Sie nicht?
Diese Partei heißt Piratenpartei!
Sozialpolitik mal anders
June 7th, 2010Hugh, die Merkel hat gesprochen:
Deutschland hat über seine Vehältnisse gelebt. Allen voran die Arbeitslosen, die es gewagt haben, sich fortzupflanzen. Das Elterngeld wird gestrichen, und die Szene aus Monty Pythons “Meaning of Life”, in der der katholische Vater seine Kinder für Experimente verkaufen muss könnte bald trauriger Alltag werden. Denn Arme haben in diesem Land einfach kein Recht, Kinder zu bekommen – und Reiche keine Lust. Die Renten lässt man freilich unangetastet – irgendwann werden die eh auf einen Schlag abgeschafft, denn wer soll in 20 Jahren noch die Renten bezahlen, wenn heute 10% der deutschen Gesamtbevölkerung ein Fortpflanzungs-Vebot bekommen haben?
Nun, vielleicht kommen diese Zahler ja aus den Mövenpick-Hotels – deren Steuerermäßigung bleibt nämlich unangetastet. Auch den zeitnahen Atomausstieg hat man konsequent abgeschafft, in dem man die Stromkonzerne einfach zu einer – verschmerzbaren – Zahlung verurteilt. Dabei wird künftig gar nicht mehr so viel Strom benötigt, denn auch die Erstattung der Heizkosten für Hartz-IV-Empfänger fällt weg, sowie “andere Leistungen”. Diese “anderen Leistungen” liegen dann im Ermessen der zuständigen Behörde! Diese kann dan also einfach nach Lust und Laune beschließen, wer jetzt Geld kriegt, und wer nicht. Die Bundesargentur für Arbeit wird also zum Casino!
Das ist doch mal ein Wort! Die christlichen Werte werden ganz in Jesu’ Sinne gedeutet, denn die Nächstenliebe und die Armenfürsorge werden endlich so interpretiert, wie sie gemeint waren: Armen haben ihren Nächsten, also den Reichen, zu versorgen, und dafür auch noch zu lieben. Und der Anteil der FDP zeigt sich darin, dass die Reichen die Freiheit haben, zu entscheiden, ob sie nun die Hartz-IV-Epfänger oder die mittelständischen Familien ausbeuten wollen, die nämlich auch kaum Elterngeld mehr bekommen.
Wenigstens Geld kann man damit sparen – denn wer weiß, wie viele Hartz-IV-Empfänger überhaupt noch den Winter überleben!
Wer ist Joachim Gauck?
June 7th, 2010Kennen Sie die Birthler-Behörde? Also die Behörde, die die Unterlagen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (StaSi) aufbewahrt und den Opfern Einblick in eine der größten Überwachungsaktionen der Geschichte gibt? Benannt ist diese Behörde nach ihrer Leiterin, die diesen Posten vor 10 Jahren übernahm, nachdem ihr erster Vorsitzender – satzungsgemäß – nicht wiedergewählt werden durfte.
Dieser Mann war niemand geringerer als Joachim Gauck, der Bundespräsidentschaftskandidat von rot-grün!
Ein Mann, der sich immer über die Parteienpolitik hinweggesetzt hat, und der den Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat. Ein Mann, der in Mecklenburg als evangelischer Pfarrer und als Mitglied des Neuen Forums gegen die DDR demonstriert hat, als Angela Merkel “mit ihrer Freundin in der Sauna war”. Ein Mann, der sich auch von der Regierungskoalition hätte aufstellen lassen.
Ein Mann aus dem Volk für das Volk – kann es einen Grund für eine Bürgerrechtspartei geben, ihn nicht zu wählen? Die FDP scheint einen gefunden zu haben, denn zumindest die West-FDP, allen voran NRW und Niedersachsen, haben sich aus niebelungenähnlicher Koalitionstreue symbolisch hinter Christian Wulff gestellt, obwohl man immer noch in Gesprächen um eine Ampelkoalition ist. Wulff mag ein “gestandener Politiker” und einer der wichtigsten Männer in der Union sein – doch ist das das Hauptkriterium für das Amt des Bundespräsidenten?
Gibt es dafür überhaupt noch Kriterien? Oder wird man Bundespräsident nur dann, wenn man bundespolitisch ins Abseits gestellt werden und die Regierung stärken soll? Eigentlich war es doch mal so, dass der Bundespräsident die Regierung kontrollieren sollte, und nicht umgekehrt! Ein weiteres “Kriterium” stellt die LINKE vor: Dass man vorher über die Aufstellung eines Kandidaten gefragt werden möchte. Wieso, hätten sie Gauck dann abgelehnt, und wenn ja, weswegen wirklich? Oder bockt man einfach nur, ohne dabei noch einen Gedanken daran zu verwenden, was in dieser Situation das beste für Deutschland ist – und diese Frage sollte einen Politiker doch täglich beschäftigen!
Und noch eine Frage drängt sich auf: Wenn politische Parteien und Regierungen eigentlich parteiunabhängige Ämter mit ihren Soldaten besetzen – wen vertreten sie dann noch? Das Volk, oder nur sich selbst? Und wer ist dann überhaupt noch der Souverän in diesem Land? Das Volk, oder die Parteien? Es wäre deshalb schön, wenn die Abgeordneten Duisburgs, NRWs und ganz Deutschlands deshalb in der Vollversammlung jemanden zum Bundespräsidenten wählen, der folgende Parole nicht vergessen hat: “Wir sind das Volk!”
Und vielleicht kommt es ja eines Tages soweit, dass das Volk ohne Mittelsmänner sein Staatsoberhaupt wählen kann – laut einer forsa-Umfrage liegen beide Kandidaten im Übrigen gleich auf!
Denk ich an Deutschland in der Nacht…
June 2nd, 2010Urusla von der Layen scheint also unsere neue Bundespräsidentin zu werden. Das wird gerade ganz demokratisch hinter den verschlossenen Türen von CDU, CSU und FDP besprochen. Gegen die Frau gibt es eine Reihe von Gründen, die schon vor einem Jahr von der Piratenpartei aufgedeckt wurden. Aber einige sind auch neu:
Das Amt des Bundespräsidenten sollte überparteilich sein!
Dass ein altgedientes Parteimitglied, eventuell sogar ein Landespolitiker von anno dazumal, auf seine alten Tage noch einmal das deutsche Staatsoberhaupt wird, dass kann man ja noch verzeiehen. Denn die haben sich meistens als unabhängig von ihrem Parteibuch gezeigt. Dass aber eine 51-jährige, deren politisches Leben in 10 Jahren noch längst nicht vorbei ist, und die zudem auch noch amtierende Bundesministerin ist, das oberste Amt im Staate inne haben soll – das ist ein Bruch mit einer sehr sinnvollen Tradition. Nie wieder wollte man in diesem Land ein Staatsoberhaupt haben, das die Marionette des Kanzlers darstellt (das letzte Mal geschah dies mit Reichspräsident von Papen und Reichskanzler Hitler). Angela Merkel scheint nun aber aus dem 3. Reich nicht zu lernen, sondern zu “entlernen”.
Kein Bundespräsident hat nach seiner Amtszeit wieder Bundespolitik betrieben
Aber vielleicht wäre Zensursula die erste, denn wer nicht alle Deutschen, sondern nur die Mehrheit vertritt, der darf auch hinterher wieder Kanzlerin werden. Dass das Amt des Bundespräsident eigentlich nicht als Sprungbrett für die eigene Karriere gedacht ist – das kümmert doch Zensursula nicht.
Die Instabilität der Regierung
Als Familienministerin hat von der Layen das Internetsperrgesetz auf den Weg gebracht – und sich damit die Piratenpartei zum Feind gemacht. In ihrem neuen Amt als Arbeits- und Sozialministerin konnte sie kaum Akzente setzen, hat aber auch keine weiteren Skandale vollbracht. Wenn sie nun in höhere Würden gewählt wird, dann müsste die Regierung zum zweiten Mal innerhalb nicht einmal eines Jahres das Amt des Ministers für Arbeit und Soziales neu besetzen – für diejenigen mit kurzem Gedächtnis: das war vorher der Herr Jung, der wiederum mal Verteidigungsminister war, was jetzt der Herr zu Guttenberg ist, weil der weiß, wie man das Wort “Krieg” ausspricht. Da wäre dann schon wieder das Kabinett durchgemixt. Merkels Position würde das stärken, aber Deutschland schwächen.
Jemand, der vorsätzlich die Unwahrheit sagt, sollte nicht Oberhaupt der BRD werden
Ja, Zensursula hat die Unwahrheit gesagt. Und da sie es, nach einem freundlichen Hinweis, weiterhin getan hat, auch vorsätzlich. Die Rede ist von der “causa india”: Mitte 2009, im Rahmen des Zensursula-Gesetzes, verkündete die Präsidentin in spe, dass in Indien die Kinderpornographie legal sei. Damit hatte sie insofern nicht recht, als dass dies bis in die 70er Jahre tatsächlich der Fall war. Danach scheint sich die damals 18-jährige aber nicht mehr für Indien interessiert zu haben, dann das hat sich geändert. Trotz freundlicher Hinweise, nicht zuletzt des indischen Botschafters, behauptete sie aber weiterhin öffentlich, in Indien sei – aktuell – die Kinderpornografie erlaubt.
In einer solch repräsentativen Position wie der des Bundespräsidenten sollte man nur Menschen wählen, denen man vertrauen kann und die das Ansehen Deutschlands im Ausland nicht beschmutzen!
Nun drehen sich seltsamerweise alle Vorschläge der CDU um hohe Amtsinhaber der eigenen Fraktion (Zensursula, Schäuble, Wulff, Lammert), dabei haben sie mitten in ihren Reihen jemanden, der tatsächlich alle Qualitäten eines Bundespräsidenten vereint: überparteilich, bundes-parteipolitisch nicht ambitioniert, reif, von allen Fraktionen geschätzt:
Hans-Jürgen Papier, einstiger Präsident des Bundesverfassungsgerichtes. Dieser Mann hat sich getraut, auch mal die eigene Partei (CSU) für Gesetzesvorschläge zu rügen, die nicht im Sinne des Grundgesetzes waren. Dieser Mann wird selbst von der Piratenpartei aufgrund seines Verdienstes im Kampf für die Demokratie respektiert, von SPD, Grünen und FDP nicht zu reden. Dieser Mann hatte lange den Vorsitz des höchsten Bundesgerichtes – viel mehr geht nicht. Dieser Mann hätte auch eine Mehrheit in der Bundesversammlung, als Mitglied der Regierungskoalition.
Aber diesen Mann möchte Angela Merkel nicht loswerden.
Und deshalb: … bin ich um den Schlaf gebracht!
Israel überschreitet seine Grenzen
May 31st, 2010Wie definiert man Hochsee-Piraterie? Vielleicht ja so:
Ein Schiff oder Konvoi wird in internationalen Gewässern von feindlichen Einheiten angegriffen, indem diese versuchen, sich bewaffnet Zutritt zu einem der Schiffe / allen Schiffen zu verschaffen. Im Erfolgsfall kapert der Pirat dann die Schiffe und bringt sie in seinen Heimathafen. Dabei tötet er diejenigen der Crew, die versuchen, ihr Eigentum zu verteidigen und hat meistens noch einen Kaperbrief seines Heimatlandes, in dem steht, dass er zu Hause deshalb nicht vor Gericht kommt.
Folgende Situation geschah vor einigen Stunden im Mittelmeer:
Ein Konvoi von sechs Schiffen wird in internationalen Gewässern von der israelischen Marine angegriffen, indem diese versucht, sich bewaffnet Zutritt zu den Schiffen zu verschaffen. Das israelische Militär kapert die Schiffe und lässt sie den israelischen Hafen Ashdod anlaufen. Dabei werden 10-19 Personen getötet, die versuchen, die “Mavi Marmara” zu verteidigen. Die israelische Regierung steht voll und ganz hinter der Aktion und bringt die zuständigen Militärs nicht vor Gericht.
Hintergrund dieser Form von Piraterie war eine Hilfslieferung einer türkischen Organisation und ihrer Unterstützer in den Gaza-Streifen, der unter Blockade durch Israel steht. Israel kündigte im Vorfeld bereits an, den Konvoi kontrollieren zu wollen. Doch war weder die Rede davon, die Schiffe zu kapern, noch, das Manöver in internationalen Gewässern durchzuführen. Als nun die Soldaten per Helikopter auf der “Mavi Marmara” landeten, wehrten sich die “Terroristen”, wie sie einige israelische Abgeordnete jetzt noch nennen, mit typisch terroristischen Waffen – Eisenstangen, Messern, Äxten, Tischen und Stühlen, was eben gerade da war. Dabei soll es sogar – laut israelischem Militär – zwei Angreifern gelungen sein, zwei hochqualifizierte Soldaten einer der besten Armeen der Welt zu entwaffnen und das Feuer zu eröffnen. Darauf entwickelten sich Kämpfe mit, nach türkischen Quellen, 19 Toten und 30 Verletzte. Israelische Quellen nennen niedrigere Zahlen. Bei den Soldaten werden dagegen “nur” vier Verletzte gemeldet.
Für Israel ein klarer Akt der Selbstverteidigung und Notwehr. Für alle Anderen ein blanker Albtraum. Denn zu den 700 “Terroristen” an Bord der Schiffe gehören auch der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell, zwei Bundestagsabgeordnete der LINKEN sowie ein Ex-Abgeordneter und die Friendsnobelpreisträgerin von 1976. Zu den beiden Volksvertreterinnen fehlt immer noch jeder Kontakt – trotz Diplomatenpasses.
Dieser Vorfall steht sinnbildlich für die Frage: Was darf ein Staat?
Außenamtssprecher Arieli ist sich sicher, dass die Frage nach dem wo keine Rolle spielt: “Wenn man weiß, dass jemand versuchen wird, ein Verbrechen zu begehen, darf man ihn schon im Vorfeld daran hindern. Wenn du weißt, dass jemand in dein Haus einbrechen will, kannst du ihn schon auf der Straße stoppen”
Und auch gleich umbringen? Pech für Israel, dass es so etwas wie internationales Recht gibt, denn danach können staatliche Organe nur im eigenen Territorium operieren – einzige Ausnahmen: Einladung oder Krieg. Nun hatten weder die türkische Regierung noch die Organisation “FreeGaza” die israelische Armee eingeladen. Und Krieg wurde auch nicht erklärt. Stattdessen wurde eine gründlich misslungene Operation von höchsten staatlichen Stellen als “erfolgreich” und “notwendig” eingestuft. Man ging sogar so weit, die Verteidiger zu den Schuldigen zu erklären, da diese sich nicht einfach friedlich ergeben haben.
Der Pirat ist also nicht schuld, sondern der Matrose der Handelsmarine, der sich dem Seeräuber mutig entgegenstellt. Die israelische Regierung scheint eine interessante Rechtsauffassung zu haben. Wenn das so auch im Kleinen gilt, dann müsste man ja in ein israelisches Haus einbrechen dürfen, und die Bewohner mit dem Argument erschießen dürfen, dass die nicht freiwillig gegangen sind. Klingt irgendwie bekannt.
Die Türken bringen den Vorfall nun vor die UN – mit der moralischen Unterstützung der meisten arabischen, aber auch europäischen Staaten, wie Russland, Deutschland und Frankreich. Für Israel brechen nun schwere Zeiten an. Denn eines darf sich dieses Land nicht erlauben: politische Isolation vom Westen!
Roland Koch ist weg?
May 26th, 2010Eigentlich ist es schon schade. Der größte Polemiker der deutschen Politik zieht sich zurück. Und während sich fast ganz Deutschland nun in den Armen liegt (auch die CDU wird das freuen, nur, dass man das nicht so offen sagt), gibt es eine Gruppe von Menschen, die nun leidet – die Journalisten, und darunter vor allem die Satiriker. Denn wenn man es mal genau betrachtet, waren seine Wahlkämpfe doch immer Highlights. Es war Abschreckungsunterricht vom Feinsten: Folgende Erziehungsmaßnahme war deshalb nicht gerade unüblich: Vater: “So Kinder, nun esst euren Spinat, oder ich schicke euch in die junge Union und ihr werdet wie der Koch!” – das war viel wirkungsvoller, als es die berühmten “Watschn” des Herrn Mixas je hätten sein können! Oder glauben Sie wirklich, das Verona Pooth geb. Feldbusch an dem Spinat-Boom schuld ist?
Aber all dies gehört nun der Vergangenheit an. Denn Roland Koch geht nun, möchte sich seiner Juristenlaufbahn widmen. Nicht ins Kanzleramt will er, auch Wiesbaden scheint seinen Reiz verloren zu haben. Doch wer weiß – vielleicht sehen wir den Verdächtigen in der Spendenaffäre der Hessen-CDU bald wieder in den Medien – als Verteidiger der Steuerhinterzieher, die dank der Daten-CDs nun vor den Kadi kommen. Und als Ministerpäsident hat(te) er eine Menge Einsicht in die Daten. Gut, wenn nebenbei noch eine harte Strafe für jugendliche Gewalttäter drin ist, dann freut ihn das sicherlich auch. Immerhin ist die hessische Verfassung die einzige, die die Todesstrafe kennt.
Ein großer Schritt zur Basisdemokratie
May 18th, 2010Deutschland ist einfach zu groß! Nicht jeder Pirat ist in der Lage, zu einem Bundesparteitag zu kommen, und sich dort einzubringen. Und selbst wenn: Wir haben in Bingen erlebt, wie schwierig es ist, zu Entscheidungen zu kommen, wenn “nur” 1000 Piraten vor Ort sind – wie soll das bei 10.000 funktionieren?
In Bingen wurde nun die Antwort gefunden: “LiquidDemocracy” bzw. “LiquidFeedback”! Letzteres ist eine Software, die jedem Piraten, nach Registrierung, ermöglicht, bereits im Vorfeld über künftige Satzungs- und Programmänderungen abzustimmen. Zwar ist die Entscheidung für Bundesparteitage nicht bindend, Erfahrungen aus Berlin und NRW zeigen jedoch, dass LiquidFeedback auf große Akzeptanz stößt und sich hier deutlich mehr beteiligen, als bei den entsprechenden Parteitagen. Ein Parteitag, der gegen eine LiquidDemocracy-Entscheidung abstimmt, geriete somit in Erklärungsnot.
Die Piraten schauen nun optimistisch auf das neue Konzept. Sollte es funktionieren – und im Moment deutet alles darauf hin, dann wäre die Piratenpartei die erste Partei in Deutschland, die die Basisdemokratie mengentauglich macht!
Zurück vom Bundespersonaltag
May 18th, 2010Die Piratenpartei hat ihren ersten Bundesparteitag für 2010 durchgeführt und Jens Seipenbusch im Amt als Vorsitzenden “bestätigt”. Ein schmeichelhaftes Ergebnis, bekam er in einer Zustimmungswahl (jeder Pirat konnte jedem Kandidat ja eine Stimme geben) nur 52% der Stimmen. Dennoch war er der einzige der Kandidaten, der über 50% im ersten Wahlgang bekommen hat. Auch Vize und Schatzmeister wurden in ihren Ämtern bestätigt. Einen kleinen Aufruhr gab es indes bei der Nicht-Entlastung von Stefan aka Aaron König, dem ehemaligen Beisitzer der Piratenpartei Deutschland. Nach seinem unrühmlichen Austritt aus dem Vorstand entschieden sich gefühlte 99,9% der anwesenden Piraten dafür, ihn nicht zu entlasten. Einen treffenden Spruch dazu gab es vom Podium:
“Piraten sind mehr, als nur ihre Inhalte. Man kann uns deshalb wählen, aber wenn man, wie Aaron König, nicht auch hinter unseren Werten steht, dann ist man halt kein Pirat!”
Das Gros der Programm- und Satzungsänderung werden auf einem gesonderten Parteitag entschieden.
Mein IQ > Dein IQ
February 28th, 2010“Schwanzvergleiche” gehören einfach zur Tradition. Und wenn eine unabhängige Studie herausfindet, dass man(n) den größten hat, dann gibt man auch damit an. Deshalb habe ich auch keine Gewissensbisse, auf diesen Artikel von der Süddeutschen zu verlinken. Dort haben polit-psychologische Studien anscheinend aufgezeigt, dass Menschen mit einer progressiven politischen Einstellung den höchsten Durchschnitts-IQ aller politischen Interessensgruppen haben. Und welche Partei in Deutschland ist progressiver, als die Piratenpartei?
Nebenbei wurde auch gezeigt, dass Konservative den niedrigsten Schnitt haben. Kommentar: “Tradition kommt auch ohne Denken aus”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Strafanzeige gegen Kanzlerin wegen Datenklau!
February 4th, 2010Gegen Dr. Angela Merkel wurde Anklage erhoben. Die Bundeskanzlerin soll sich der Anstiftung und Beihilfe zu Straftaten dringend verdächtig gemacht haben, so Kläger Frank Hannig. Der sächsiche Rechtsanwalt, selbst CDU-Mitglied, habe lange darüber nachgedacht und mit Kollegen gesprochen, bevor er sich zu diesem Schritt entschloss. Der Kanzlerin werden „insbesondere Hehlerei, Begünstigung, Ausspähen von Daten sowie öffentliche Aufforderung zu Straftaten und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ vorgeworfen. Hintergrund ist selbstredend der geplante Kauf von Bankdaten aus der Schweiz für 2,5 Mio. Euro.
Ein mutiger Schritt, den der Rechtsanwalt hier geht. Und er warnt alle Politiker, die sich ähnlich geäußert haben, auch diese vor Gericht zu bringen. Ein Land wie Deutschland dürfe, gerade mit seiner modernen Geschichte, nicht das Denunziantentum befürworten.
Die Anklage jedenfalls zeigt einmal mehr, dass die arrivierten Parteien mit solchen Problemen nicht einheitlich umgehen können und darauf keine Antworten finden. Doch wie weit darf der Staat gehen? Wie weit gelten staatliche Grundsätze, wenn es um Steuergerechtigkeit geht? Die deutsche Gesellschaft steht diesbezüglich vor einer Zerreißprobe. Die Verlockung ist groß, viele Wähler stehen hinter einem Kauf. Doch wir haben in diesem Land eine Verfassung und ein Rechtssystem, dass uns auch davor schützen soll, im “heiligen Zorn” zu weit zu gehen.
Abmahnwahn per E-Mail
February 4th, 2010Weil sie auf ihrem Portal ein Branchenverzeichnis hat und dort einen Rechtsanwalt als “Fachanwalt für Markenrecht” titulierte, muss eine Hamburgerin nun 25.000 Euro Strafe zahlen. Dies beschloss heute das dortige Landgericht. Die Besonderheit in diesem Fall war, dass der Verhandlung eine Abmahnung des Rechtsanwaltes vorausging, die allerdings an der Firewall der Dame “zerschellte” und als SPAM in den unendlichen Weiten des Cyberspace verschwand. Denn der Rechtsanwalt schickte die Abmahnung per E-Mail! Nun berufte sich die Dame darauf, dass sie ja nichts dafür könne, wenn diese Mail nicht ankommt, und sie nicht dafür verantwortlich sei, dass der Fall letzten Endes vor Gericht gelangt war. Dieser Antrag wurde kurzum abgelehnt, und zwar mit folgender Begründung:
Die Kammer vertritt mit der herrschenden Meinung (vgl. Zöller-Herget, ZPO, 27. Aufl., § 93, S. 431, Stichwort “Wettbewerbsstreitigkeiten”) die Auffassung, dass die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die Abmahnung nicht zugegangen ist, beim Adressaten, also dem Abgemahnten liegt (zum Sach- und Streitstand Bornkamm in Hefermehl/Köhler/Bornkamm, UWG, 27. Aufl., § 12, Rz. 1.29 ff m.w.N.). Nach zutreffender Ansicht trägt das Risiko, dass die Abmahnung auf dem Postweg verloren geht, der Abgemahnte, da es sich bei der Abmahnung letztlich um eine Wohltat für den Schuldner handelt, der auf diese Weise Gelegenheit erhält, die Angelegenheit kostengünstig beizulegen (vgl. LG Hamburg, Urteil vom 09.01.2007, Az. 416 O 307/06, Rz. 18 zit. n. juris).
Des weiteren sei davon auszugehen, dass die E-Mail ordnungsgerecht verschickt wurde, somit sei anzunehmen, dass die Antragstellerin Zeit genug gehabt habe, die mail zu lesen. Dass diese allerdings im SPAM-Folder landete, scheint das Gericht weniger zu interessieren. Ebensowenig wie die Tatsache, dass eine E-Mail nicht immer grundlos im SPAM-Folder landet, dieses vielleicht sogar beabstichtigt ist. Mag es dieses Mal auch nicht so gewesen sein: Heißt das jetzt, dass ein Anwalt einfach eine Abmahnung per Mail schicken kann, in der Hoffnung, dass die eh nicht gelesen wird und er “alles richtig” gemacht hat? Und heißt das jetzt, dass SPAM-Filter generell von unserer Justiz auf der “schwarzen Liste” stehen?
Ja, in Zukunft werden wir wohl alle unsere wenigen Schutzversuche gegen unerwünschte Werbung einstellen müssen, denn es könnte ja eine Abmahnung dabei sein. Das bedeutet Viagra-Werbung, XXX-Kontakte, Waschmaschinen gratis, alles wird damit überladen. Ach ja, und wenn man Glück hat, dann findet man sogar die wichtige E-Mail vom Chef. Oder die Abmahnung…
Pro NRW plant “Haus der Opfer des Islam” in Duisburg
February 3rd, 2010Wie DerWesten berichtet, könnte Duisburg bald um eine vermeintliche Sehenswürdigkeit reicher sein. Denn Pro-NRW plant hier den Bau eines “Hauses der Opfer des Islam”, und zwar in direkter Nachbarschaft zur Merkez-Moschee in Marxloh.
Bezeichnend ist, dass Vertreter dieser Gruppierung mehr über die Finanzierung sagen konnten, denn über die “Verbrechen des Islam”, ohne die es ja kaum “Opfer” geben kann. 10 Millionen Euro soll das “Gedenkzentrum” kosten, 2 Millionen davon möchte Pro NRW über eine großzügige Spende direkt zahlen. Für eine sinnvolle Begründung dieser Aktion benötigt Pro-NRW allerdings, wie aus dem Artikel hervorgeht, noch ein Weilchen.
Es stimmt bedenklich, dass sich in diesem Land Menschen finden, die eine Religion dafür verantwortlich machen, dass Fanatiker oder gar religiös unmotivierte Menschen Verbrechen begehen. Denn wie oft hört man in solchen Zusammenhang Sätze wie “Die Türken…”. Und es ist ganz und gar unbegreiflich, dass nun Deutschland neben Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus nun auch welche für Opfer des Islam haben soll.
Nun gut, lässt man diesen Gedanken einmal zu, dann muss man die Partei mit kölschen Wurzeln aber doch fragen, wann endlich eine Gedenkstätte für die Opfer des Christentums eröffnet wird, am besten direkt neben dem Kölner Dom. Immerhin waren Kreuzzüge, Hexenverbrennung und Inquisition nicht gerade von Toleranz und Menschenrechten geprägt. Und die Gebeine der Heiligen Drei Könige liegen auch nur deshalb im Dom, weil Kaiser Friedrich “Barbarossa” dafür einst die Stadt Mailand verwüstet hat. Und wo wir schon dabei sind: Wann wird es endlich Gedenkstellen für die Opfer des Kölschen (wahlweise auch Düsseldorfer) Karnevals geben, der jedes Jahr tausende von Alkoholtoten provoziert? Und wann gibt es endlich die Gedenkstätte für die Opfer des MSV Duisburg, des 1.FC Köln, Schalke 04 und all denen, die aus Platzgründen hier nicht erwähnt werden, bei deren Derbys sich auch immer reihenweise Menschen die Schädel einschlagen?
Ich wäre schon zufrieden, wenn es hier eines Tages ein Haus der “Opfer von Pro-NRW und Intelligenzarmut” gibt.
