Liebe Leserin, lieber Leser!
Hast Du auch in den letzten Tagen so eine bunte Weihnachtskarte bekommen mit “Fröhliche Weihnachten” oder so ähnlich drauf? Und Grüße für “ruhige Feiertage”? Mal im Ernst, manchmal denkt man sich doch, die Schreiber denken kaum nach. Wenn ich mir Claudia vorstelle, die mit ihren drei kleinen Kindern im Bus unterwegs war oder auf dem Weihnachtsmarkt und die nach dem ganzen Vorweihnachtsstress dann solch eine Karte bekommt – da kann man sich sicher auch schon mal ziemlich verschaukelt vorkommen, oder?
Da wünscht sich sicher der Eine oder Andere in die ruhige Zeit zurück, als die Geburt Jesu wirklich geschah. Ohne Hektik und Weihnachtsstress. Aber – wie war das denn eigentlich damals, als Jesus geboren wurde? war das wirklich so ruhig? Schauen wir uns das mal an:
Plötzlich flattert dem Schreinermeister Joseph in Nazareth so eine Nachricht ins Haus, dass die dämlichen Politiker jener Zeit auf die Idee gekommen waren, mal alle Leute in ihrem Reich zu zählen. Volkszählung – und das ohne Einbeziehung der Bevölkerung in den Entscheidungsprozess. Nein, genau wie heute, einfach über die Köpfe des Volkes hinweg beschlossen! Und nicht nur, dass die dazu nun mit nem Fragebogen angerückt wären, nein, jeder sollte sich dazu mal in seine Geburtssatadt begeben – auf eigene Kosten natürlich. Wo kämen wir hin, wenn das auch noch der Staat bezahlen würde.
Also bleibt Joseph nix anderes übrig, als die nötigsten Aufträge noch schnell zuende zu bringen, damit noch etwas Reisegeld zusammen kommt und dann seine schwangere Frau zu nehmen und loszureisen. Maria, also seine Frau, hatte inzwischen im Haushalt alles hergerichtet, damit sie beruhigt fahren konnten und ein paar Dinge für unterwegs zusammengepackt. Und dann gehts los.
ICE mit Platzreservierung - Pustekuchen. Transportmittel = Esel. Maria darf sitzen, immerhin ist sie schwanger, und Joseph führt den Esel und los geht es. Tagelanger Marsch durch die Wüste. Auf nach Bethlehem. Alles nur, wegen dieser hirnverbrannten Politiker, die sich vermutlich selbst tragen liessen.
Und dann kommen sie in Behtlehem an und stellen fest, alle Hotels und Pensionen völlig überfüllt und kein Platz mehr übrig – nicht mal für eine schwangere Frau. “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”. Wer nicht rechtzeitig reserviert hat eben Pech gehabt. Dumm nur, dass Joseph gar nicht reservieren konnte.
Aber Joseph wäre nicht Joseph, wenn er sich damit zufrieden geben würde. Er geht von Haus zu Haus, er fragt an jeder Tür, er beißt sich durch – bis er endlich jemanden findet der noch Platz in seinem Stall hat. Ich kann mir gut vorstellen wie Marias flinke Hausfrauenhände in kurzer Zeit sogar diesen Stall in eine gemütliche Bleibe verwandelt haben. Und jetzt ist endlich Ruhe und sie können sich ausruhen und vom langen Weg erholen.
In diese Ruhe hört Joseph plötzlich seine Frau sagen: “Du Joseph, ich glaub das Kind kommt.” Kannst Du Dir vorstellen, wie sich der Mann in solch einer Situation fühlen muss? Tagelang der Marsch, dann die schon fast verzweifelte Suche nach ner Unterkunft und wenn dann endlich alles bereit ist sich auszuruhen – kommt das Kind zur Welt. Und wieder hat Joseph alle Hände voll zu tun um die Geburt gut über die Runden zu bringen. Ich denke, er hat in den nächsten Stunden keine ruhige Minute gehabt und ist wie ein gestochenes Schaf hin und her gerannt und hat alles erledigt, was nötig war um Mutter und Kind gesund durch die Geburt zu begleiten. Dann der erlösende Schrei. Das Kind ist da, der Mutter geht es gut und endlich kann nun wirklich Ruhe einkehren und die Familie die Geburt ihres Sohnes in aller Ruhe geniessen.
Eigentlich doch ein tolles Happy End. - Doch in diesem Moment pocht es wie verrückt an der Stalltür und ein paar ungewaschene und zerlumpte Schafhirten poltern in den Stall. Ich an Josephs Stelle, wäre spätestens jetzt explodiert! Doch Joseph bleibt ruhig. Die Schafhirten schauen dem kleinen Kind in die strahlenden Augen, fallen auf die Knie und erklären dem verdutzten Joseph und seiner glücklichen Maria, dass sie den Heiland zur Welt gebracht hat, auf den die Welt schon lange wartet.
Und erst dann wird es in dem Stall langsam ruhig.
Liebe Leserin, lieber Leser! Weihnachten war wohl schon damals eine hektische und stressige Zeit. Ich denke jede Zeit hat ihre eigene Art von Stress. Aber all das ist vergessen, wenn wir in die strahlenden Augen eines Kindes blicken können. Wenn sich in diesen Augen die vielen Lichter dieser Zeit spiegeln und wir Freude schenken dürfen.
Egal ob Du als Christ die Geburt Jesu Christi feierst oder aus einem anderen oder keinem Glauben “nur” die Feiertage nutzt, ich wünsche Dir frohe und geruhsame Feiertage und ich wünsche Dir die Freude strahlender Augen Deiner liebsten Menschen.
Hans-Peter Weyer
Text cc-by Hans-Peter Weyer